Josef Kohler

Milchkontrollor. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1922    † 1944

 

Lebenslauf

Josef Kohler wurde am 5.12.1922 in Pöls (Steiermark) geboren. Er arbeitete als Milch­­­pro­ben­­­­­neh­mer in Ilgenberg/Donnersbach.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 8. 6. 1943 wurde Josef Kohler verhaftet und am 23. 11. 1943 zum Tode verurteilt. Am 25.2.1944 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

„Die Tätigkeit als Milchprobennehmer hatte der Angeklagte in den Stallungen der Bauern vorzunehmen. Dabei hat er in zahlreichen Fällen mit den Angehörigen der Bauernfamilien ein politisches Gespräch geführt und sich in grober hetzerischer Weise gegen die leitenden Persönlichkeiten des Reiches geäußert, die Kriegslage als aussichtslos hingestellt und zu Gunsten des Kommunismus Stellung genommen. Am 18. April 1943 kam der Angeklagte erstmals in das Haus des Schuhmachers und Landwirt Häusler in Donnersbachwald. Im Kuhstall unterhielt er sich mit der Ehefrau Häusler. Diese fragte den Angeklagten, warum er nicht Soldat sei und erzählte, dass sie sechs Söhne im Feld habe und dass zwei weitere zu Hause seien. Sie sagte, hoffentlich gehe der Krieg bald zu Ende, damit die Familie wieder beisammen sein könne. Dazu äußerte der Angeklagte: ’Der Krieg ist erst aus, wenn Göring in den Mantel von Goebbels passt und wenn der Führer der erste und zugleich der letzte Soldat an der Front ist!‘“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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